Rebornbabies und ihr ZeitgeistPhilosophie einer Rebornerin ueber Rebornbabies |
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Wieviel Aussagekraft liegt eingentlich in den Puppen, die als Rebornbabies
bezeichnet werden? Als passionierte Rebornerin habe
ich mich eingehend mit dieser Frage beschaeftigt und ich bin zu der
Erkenntnis gekommen, dass ein Rebornbaby wesentlich mehr zum Ausdruck
bringt, wie es eine oberflaeliche oder fluechtige Betrachtungsweise
verraet. Dadurch habe ich individuelle Antworten darauf gefunden, warum
mich Reallifebabies so sehr ansprechen. In gewisser Weise entsprechen
diese kleinen entzueckenden Rebornbabies sogar dem
Zeitgeist. Die dargestellte Illusion fruehkindlichen Lebens spricht
direkt das Verantwortungsgefuehl und den Schutzinstinkt an. Die realen
Pendants zu Rebornbabies benoetigen eine verantwortungsbewusste Umwelt,
die ihnen Schutz und Sicherheit gewaehrt. Auch im Erwachsenenalter
streben wir danach, uns abzusichern. Sicherheit ist ein elementares
Grundbeduerfnis. In vielen Lebensbereichen ist aber gerade der Mangel
an Sicherheit ein wichtiger Aspekt unserer momentanen
gesellschaftlichen Situation. Die Welt, in der wir zur Zeit leben, wird
nicht verantwortungsbewusst verwaltet. Die Gier nach Profit und Vorteil
verhindern es. Viele Menschen spueren die Auswirkungen massiv durch
Dumpingloehne, Arbeitslosigkeit oder Zeitarbeitsvertraege und wer beim
Konsum nicht mithalten kann, geraet sehr schnell ins gesellschaftliche
Aus. Das bekommen schon die Kinder in den Grundschulen zu spueren.
Zudem koennen wir gerade sehr anschaulich miterleben, wie die Welt aus
den Fugen geraet, die wir einst unseren Kindern hochverschuldet
zurueckgeben werden. Wen wundert es da noch, wenn die Sehnsucht nach
heileren Lebensbedingungen immer groesser wird? Puppen in Form von
Reallifebabies sind dazu geeignet, diesem Beduerfnis Ausdruck zu
verleihen. Die Welt, die ein Rebornbaby
verkoerpert, ist eine ideale Welt, die von all den o.g. Unwaegbarkeiten
unberuehrt bleibt. Als ich vor Jahren mit dem Rebornen begann, las ich beinahe zeitgleich ein Buch ueber die Traumatherapie nach Luise Reddemann und so lernte ich das sogenannte "innere Kind" besser kennen. Diese, die Phantasie befluegelnde kindliche Seite repraesentiert den Teil in uns, der durch frueheste Praegung entscheidende Gefuehle, Wahrnehmungen und Wertvorstellungen aufnimmt. Weil diese fruehen Praegungen unser spaeteres Leben, unsere Empfindungen und Wahrnehmungen massgeblich beeinflussen, ist das "innere Kind" ein wichtiger Bestandteil unserer Persoenlichkeit. Wenn wir als Kind: ~ wohlbehuetet
in einem kindgerechten, uns zugewandten
Umfeld aufwachsen ~ uns geliebt, geborgen und angenommen fuehlen ~ ermutigt werden, die Welt zu entdecken und unsere Faehigkeiten auszuprobieren ~ Schutz finden, wenn wir uns bedroht fuehlen oder Angst verspueren ~ getroestet werden, wenn unsere kindliche Welt aus den Fugen geraet, ~ erfahren, wie unsere persoenlichen Grenzen respektiert und gewahrt bleiben, ~ erleben, wie Gewalt und Vernachlaessigung von uns ferngehalten werden ... verinnerlichen wir all diese positiven Erfahrungen. Das, was wir an Zuwendung, Respekt, Liebe und Schutz erfahren haben, geben wir uns spaeter instinktiv auch selbst. Die Folge ist, dass sich das innere Kind mit samt seinem Weltbild in uns behuetet und geborgen fuehlt. Wir werden zu selbstsicheren Erwachsenen, die in ihre Wahrnehmungen, Empfindungen und Faehigkeiten vertrauen. Auf diese Weise bleiben wir auch in schwierigen und grenzwertigen Situation handlungsfaehig. Und weil dies so ist, schmiegt sich unsere kindliche Seite relativ geschmeidig, unbehaftet von Problemen in unsere Gesamtpersoenlichkeit ein. Bleibt unser inneres Kind beduerftig, weil ihm die o.g. wichtigen fruehen Erfahrungen vorenthalten wurden, bereitet es uns spaeter Schwierigkeiten. Es ueberflutet uns: ~ mit
uebergrosser Angst
Das ist die Theorie. In der Realitaet gibt es diese strickte Trennung
aber nicht.
Das Beduerfnis nach Sicherheit ist in dem inneren Kind eines Jeden von
uns verankert und das Vertrauen darauf ist erschuetterbar. Das innere
Kind von Menschen, die schon sehr frueh massive
Grenzueberschreitungen, Gewalt und/oder Vernachlaessigung erfahren,
bleibt im Vergleich nur im Extrem beduerftiger, schlaegt
dementsprechend viel frueher Alarm und kommt nicht so schnell wieder
zur Ruhe. Deshalb ist es fuer die Betroffenen besonders wichtig, in
einer dafuer geeigneten Therapie (Psychodynamisch imaginative Trauma
Therapie (PITT)) nach Luise Reddemann ein kontinuierliches
Bewusstsein
dafuer zu entwickeln, wie es ihrem inneren Kind gerade geht und was sie
ihm genau in diesem Moment
ueber das Medium der Phantasie geben koennen, damit es sich sicher und
geborgen fuehlt.~ mit uebergrossem Misstrauen ~ mit dem Gefuehl der Einsamkeit ~ mit dem Gefuehl ohnmaechtiger Hilflosigkeit ~ mit der uebergrossen Sehnsucht nach Sicherheit ~ mit der riesigen Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung ~ mit dem Riesenwunsch nach Schutz ~ mit dem unertraeglichen Gefuehl, dies alles nicht zu verdienen, weil es wertlos und schlecht ist ~ mit Schuldgefuehlen, weil es so schlecht und wertlos ist ... Rebornbabies versinnbildlichen fuer mich in idealer Weise das fragile innere Kind mit all seinen berechtigten Beduerfnissen. Die in all seiner Schoenheit abgebildete Illusion fruehkindlichen Lebens in Form von Rebornbaby Puppen bringt fuer mich darueber hinaus die Zerbrechlichkeit eines jeden Kindes und seinen daraus resultierenden Anspruch auf Unversehrtheit zum Ausdruck. Jedes Kind hat Kraft seiner Geburt das natuerliche Anrecht auf einen wohl behueteten und gluecklichen Start ins Leben. Wir als Erwachsene sind dazu verpflichtet, ihm dies zu ermoeglichen. Beinahe regelmaessig wieder kehrende Schlagzeilen darueber, wie dieses Recht in Grund und Boden gestampft wurde, zeigen auf, dass die Realitaet auch bei uns in erschreckender Weise eine Andere ist. Die Divergenz zwischen dem Anspruch auf eine heile Kindheit und der Realitaet, sowie die Folgen, die daraus unter Umstaenden fuer die Betroffenen entstehen, sind meine Antriebsfeder. Zukuenfig moechte ich mich mit meinem kuenstlerischen Tun noch mehr auf diese Aspekte ausrichten. Ich werde versuchen, den Anspruch auf kindgerechte und wuerdevolle Lebensumstaende noch besser zum Ausdruck zu bringen. Mein Augenmerk wird sich immer wieder auch auf die Kinder der sogenannten dritten Welt richten, in der eine unbesorgte Kindheit aufgrund von Armut, Not und Elend zumeist ausfaellt oder dem Zwang zur Kinderarbeit unter entwuerdigenden Bedingungen weichen muss. Schon alleine meine Ausfuehrung zeigt, wie facettenreich und tiefschichtig die Liebe zu Reallifebabies erklaert werden kann. Die Gruende dafuer, warum sich ein Mensch zu dieser neuen kuenstlerischen Spielart hingezogen fuehlt, duerften jedoch weitaus unterschiedlicher und dementsprechend vielfaeltig sein. Immerhin sind die Fans dieser bezaubernden Rebornbabies phantasievolle Menschen und jeder Einzelne bringt seine eigenen, ganz persoenlichen Facetten mit sich. Interessanterweise greifen Medien gerne einen vermeintlich krankhaften Aspekt bezueglich des Rebornens auf oder lassen diesen zumindest unterschellig in ihren Berichten durchscheinen. Schon die Bezeichnung Rebornbaby wird in aller Regel missinterpretiert, weil sich die urspruengliche Bedeudeutung des Begriffes nicht ohne Insiderwissen erfassen laesst. Rebornen bedeutet so viel wie wieder geboren werden. Der Begriff zielt auf die Zeiten ab, in in denen es noch keine "nackten" Vinylrohlinge gab. In Ermangelung daran wurden damals bereits fertige, industriell hergestellte Spiel- und Sammlerpuppen aus Vinyl in einem aufwendigen, kunsthandwerklichen Arbeitprozess umgestaltet, so dass etwas Neues aus ihnen entstand, sprich die Rebornbaby Puppe, die die Illusion kindlichen Lebens erzeugt. Da dieser Sachverhalt nicht bekannt ist, lautet die unterschwellige Botschaft in Medienberichten sehr oft, dass die Anhaenger von Rebornbabies reale Kinder durch Faked Babies aus Vinyl ersetzen wollen, weil sie das ideale Kind verkoerpern, das nie erwachsen wird. Mich aergern solche Darstellungen, weil diese reduzierte Sichtweise dieser neuen Kunstform und der bei weitem ueberwiegenden Mehrheit ihrer Anhaenger nicht gerecht wird. Aus diesem Grund verzichte ich ganz bewusst auf bestimmte Begrifflichkeiten, die sich in der Welt der Rebornbabies eingebuergert haben. Ich lehne es z.B. ab, von mir geschaffene Rebornbabies zur "Adoption freizugeben". Puppen, die ich gestaltet habe, werden zum Verkauf angeboten und dementsprechend suche fuer ein Rebornbaby einen Kaeufer und keine neue "liebe Mama". Ich persoenlich vertrete die Meinung, dass derartige Bezeichnungen in dem Kontext belassen werden sollten, in dem sie hingehoeren. Eine Zweckentfremdung bietet den Kritikern in diesem Zusammenhang eine willkommende Ausgangsbasis fuer die Argumente, mit denen sie die These, dass die Anhaenger von Rebornbabies unsere Kinder zu einer Sache degradieren, untermauern koennen. Ich bin nicht bereit dazu, durch die Verwendung derartiger Begrifflichkeiten solchen Leuten die Projektionsflaeche zu bieten, die es ihnen moeglich macht, die Freude an den kunsthandwerklich gefertigten Unikaten gruendlich misszuverstehen. Aus aehnlichen Gruenden distanzieren sich ausser mir auch viele Reborner und Sammler von Begriffen wie z.B. Fakebaby, eben weil er den Gedanken des Ersatzkindes impliziert. Genau wie ich, sind sie nicht realitaetsfremd und koennen dementsprechend sehr wohl Puppen von echten Kindern unterscheiden. Es ist uns ueberhaupt nicht daran gelegen, den Mangel an realen Kindern durch Rebornbabies auszugleichen und die Meisten von uns muessen es auch nicht, weil sie eigene Kinder und Enkelkinder haben. Viele von uns koennen sich aber sehr gut in Kinder reinversetzen und nehmen regen Anteil an Kinderschicksalen, wie z.B. dem von der in Portugal verschwundenen Madeleine oder an dem von Kardelen, die im Alter von acht Jahren brutal ermordet wurde. Ich persoenlich bin jedes Mal zutiefst betroffen und beruehrt, wenn ich wieder von solchen Kinderschicksalen hoere und in Gedanken verweile ich immer wieder bei diesen Kindern, selbst wenn sie, wie Madeleine schon seit Jahren verschwunden sind. Mit solchen Sachverhalten ist natuerlich schwer reisserische Schlagzeilen und Quoten zu machen, weshalb sie wohl gerne in den Berichterstattungen aussen vor gelassen werden. Diese Einseitigkeit finde ich bedauerlich, weil die von mir aufgefuehrten Beispiele zeigen, dass das Rebornen ebenso gut gesunde Aspekte aufweist oder als kuenstlerisches Ausdrucksmittel interpretiert werden kann, welches dazu geeignet ist, elementare Botschaften in anschaulicher Weise zu transportieren. Und gerade die waeren es wert, gehoert zu werden.
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